Going West:Retro-Reise 2013 – Part #1



Zum Ende des Retro-Jahres häufen sich immer einige Termine – gut wer da nicht den Überblick verliert. Da ich sowieso gerade Urlaub hatte, war es an der Zeit einmal eine größere Reise zu unternehmen. Das Ziel: Der Westen der Republik bzw. unser kleines Nachbarland – die Niederlande.
Willkommen zur ersten Ausgabe der #RetroReise.

Amsterdam stand schon lange auf meiner “Städtebesuchsliste” und einige andere Termine (s.u.) ergaben eine sinnvolle Kombination aus 7 Tagen Retro-Events und Sightseeing. Der Hotel Deal in einem schicken Design Hotel machte das ganze auch noch relativ günstig – also los ging es.

Am Anfang der Reise standen 2 Pflichtermine im Retro-Jahr: Die allseits bekannte Retrobörse im Ruhrgebiet – dieses mal wieder in der 11ten Auflage an alter Wirkungsstätte in Bochum, sowie eine der größeren Retro-Flohmärkte in Holland.
Zur Retro-Börse gibt es eigentlich nicht viel mehr zu sagen. Sie hat sich über die Jahre zu einer festen Größe entwickelt und hat mittlerweile auch mehrere Ableger. Da sich die Bilder irgendwie immer gleichen, sei an dieser Stelle auf meinen alten Eintrag zur Retro-Veranstaltung in Bochum 2012 bzw. Oberhausen 2012 verwiesen. Wie immer ein Wiedersehen mit alten Freunden – kenne ich viele Teilnehmer und die Veranstalter doch schon seit Jahren – und auch für mich war mal wieder einiges zu finden (vor allem AMIGA Spiele – danke Ingo). Das Ganze ist immer recht “konsolenlastig”, umso mehr habe ich mich über Computerspiele gefreut, die vor allem mein Freund Marc in seinem Retrocomputer-Shop auch online anbietet. Da gerät das Retro-Herz in Wallungen – nicht nur wegen der Hitze an dem Tag ;-)

Bild: Wie immer großer Andrang im Flur.

Bild: Jede Menge Spiele wechselten den Besitzer.

Am nächsten Tag ging es – gemeinsam mit Freunden aus den Niederlanden – zum großen Retro-Flohmarkt nach Deurne. Deurne liegt nur unweit der deutschen Grenze und auch hier lohnt sich ein Abstecher für Videospiele-Sammler. Das ganze Areal ist etwas größer als die deutschen Börsen – der Eintritt schlägt mit 5 EUR zu buche. Kein Schnäppchen, aber dafür kann man vor Ort sicherlich das ein oder andere Spiel ergattern. Hier ist alles ein wenig anders als in Deutschland – man merkt, dass es sich vorrangig um professionelle Händler handelt – nur zwischendrin findet man auch den Familienvater oder Sammler, der hier seine doppelten Sachen an den Mann (oder Frau) bringt. Und auch wenn sich hier ein Teil der Besucher und Anbieter (vor allem die Holländer) aus Bochum wiederfinden, fehlte mir persönlich die Vertrautheit und familiäre Atmosphäre – mag aber auch an meinem ersten Besuch dort liegen. Ich war den ganzen Tag vor Ort, das Essen war typisch niederländisch – und auch hier konnte ich ein paar Spiele (für faire Preise) für meine Sammlung ergattern.


Bild: Die große Eingangshalle – eine von insgesamt 3 Räumen plus Zelte. Insgesamt ist das Angebot größer – wenngleich es immer diesselben Artikel sind :)
Größer heisst hier nicht – mehr Auswahl.

Bild: Auswahl eines Tisches. Bedenken muss man – dass viele Spiele in der niederländischen Version angeboten werden.

Die nächsten Tage ging es dann nach Amsterdam. Die Stadt hat sehr viel zu bieten (und damit meine ich keine Coffee-Shops), die Architektur, die Sehenswüdigkeiten und natürlich den Charme einer niederländischen Großsstadt mit Vergangenheit und Geschichte. 2-3 Tage reichen hier i.d.R. aus, um alles zu entdecken.


Unbedingt besuchen sollte man die Bibliothek direkt neben Hauptbahnhof und Hafen – hat man doch vom Cafe im obersten Stockwerk einen pefekten Ausblick auf die Stadt. Ferner sind die Preise hier deutlich günstiger als anderswo. WI-FI gibt es in Amsterdam an jeder Ecke – hier findet z.B. gerade ein Pilot-Projekt statt die gesamte Stadt zu vernetzen.

Für Retro-Enthusiasten gibt es auch hier ein paar Sachen zu entdecken:

  • einen Science-Fiction Shop mit Spielzeug und anderem Merchandise (auch vintage): www.spaceoddity.nl
  • einen An-und Verkauf Laden für Retro Videospiele (ein wenig teuer): www.gameover.nl/
  • eine Filiale der niederländischen Videospiel-Shop Kette GameMania: www.gamemania.nl/

Wer mit Kindern reist, sollte das Science-Museum NEMO besuchen – hier gibt es für die Kinder viel zu entdecken. Es ist ein Mitmach-Museum, wie es u.a. auch in Köln (Odysseum) oder Bremen (Universum Science Center) zu finden ist. Toll auch das Maritime Museum direkt dahinter – und wer schon immer mal die Originale aus dem Computerspiel Vermeer sehen wollte, der besucht das Rijksmuseum.

Bild: NEMO Museum mit Maritim Museum im Hintergrund

Während meines Aufenthaltes gab es zusätzlich eine Ausstellung zur Elektromobilität – und darunter auch ein Sinclair C5 Elektrofahrzeug. Vom Erfinder des Sinclair 8-Bit Computers.
Sinclair C5 Elektro Fahrzeug
Bild: C5 Sinclair Electro Skooter

Genug von Amsterdam habe ich ein paar Tage bei meinen niederländischen Freunden – Mr&Mrs Atari verbracht. Mr Atari arbeitet zur Zeit an einer neuen Version seines Betriebssystems für den Atari. Ferner haben Sie einen kleinen Retro-Shop für Nintendo Stofftiere – wer also schon immer einen YOSHI haben wollte: Zugreifen!. Zusammen sind wir weiter durch die Niederlande gefahren.

Direkt in der Nachbarschaft liegt der kleine Ort Brummen. Hier wollte ich schon immer mal anhalten – neben der Spielerei interessieren mich vor allem alte Autos. Insbesondere Mercedes.
Aktuell suche ich wieder nach einem Oldtimer, nachdem ich mit Mitte 20 alle meine 3(!) verkauft hatte. Wer sich also ebenfalls für Oldtimer interessiert, dem empfehle ich einen Besuch in der Gallery – Brummen – ein familiengeführtes Autohaus speziell für Oldtimer. Angeschlossen ist auch ein Cafe und ein Blechspielzeugmuseum. Zugegeben ein teures Hobby – aber ein Besuch alle mal wert: Schaut euch das Video an.

Wo wir beim Thema Hobbies sind – habe ich ein neues entdeckt. Zusammen mit einigen niederländischen Freunden haben wir die “QBirds” – ein Retro Gamer Modellflugzeug Club gegründet.
Die Abendstunden waren lau und sonnig – die Thermik perfekt. Mittlerweile ist dieses Hobby recht günstig und erschwinglich – ich erinnere mich noch an unsere alten Modellboote wo wir Unsummen in Batterien versenkt haben – heute alles nicht mehr so dramatisch. Nicht nur für stress-geplagte Manager zu empfehlen ;-)

Weiter ging es auf den Spuren der 50er Jahre. Es gibt einige Anlaufstellen für Läden, die sich auf den Import von US Vintage spezialisiert haben. Die beiden Adressen:

Jede Menge coole Sachen. Wer z.B. Platten für seine Musikbox sucht (leider hatten Sie keine Sachen für meine ATARI RUBIS II), oder Klamotten für eine 50er Jahre Party (alles original), oder Möbel für die Einrichtung seines Diners oder Modeladen – hier gibt es alles zu guten Preisen. Und auch den ein oder anderen Flipper oder Arcade Automaten (meist mechanisch) – beides aber eher in schlechtem Zustand. Ein paar Impressionen von beiden Läden:


Bild: Bennys 50 Retro Shop – Showroom




Bilder: der andere Showroom. Tanksäulen wo man hinschaut…Wurlitzer….und auch diese Mercedes Autoscooter.

Nächster Tag – nächstes Ziel. Mein Freund Jochen – von Arcadeforge – hat sich einen Centipede Arcade Automaten gegönnt, den ich für ihn abholen wollte. In der Nähe – das niederländische Strandbad Scheveningen.

Bild: Scheveningen, Niederlande – Strandbad
Da die Saison schon vorbei war – entsprechend der Ort insgesamt recht einsam und leer – aber wir waren ja nicht (nur) wegen dem Strand gekommen. Wir wollten sehen, was aus dem “Boardwalk Arcade” geworden ist. Um es kurz zu machen. Ein Elend – kaum noch Retro Automaten und die vorhandenen Geräte wurden alle (!) auf TFT Bildschirme umgebaut. Wer es mag – bitte – definitiv aber nicht mein Fall.

Bild: Arcade Scheveningen

Zumindest in eine Ecke war noch ein alter PacMan Namco zu finden. Nach 20 Minuten Fahrzeit waren wir dann bei unseren Freunden von NOZOMI angekommen und haben den Centipede eingeladen. Die Jungs von NOZOMI haben sich auf japanische Arcade Automaten spezialisiert (Candy Cabs) – haben aber auch eine riesige Halle mit Racing Simulatoren. Zu blöd, dass wir kaum noch Zeit hatten. We’ll be back. Versprochen ;-)

Bild: Blick in die Arcade Halle
Weiter ging es dann nach Epe, wo meine alten Freunde John und Naomi ein Computerspielemuseum betreiben. Ein Besuch war lange überfällig.
Im Gemeindehaus auf 3 Stockwerken präsentieren sich eine Vielzahl an Arcade-Automaten, Computer und Videospiel-Konsolen. Die meisten davon als “hands on” – also spielbereit und angeschlossen. Dazu gibt es ein “Training Room” für das ESL Team Mouse Control – wo u.a. auch Liga Spiele ausgetragen werden. Leider waren an diesem Tag nicht viele Besucher anwesend, was vor allem an der Nebensaison liegt (Epe ist ein Ferienort) und natürlich weil wir unter der Woche am vormittag aufgeschlagen sind. Für Freunde von Retro-Gaming alles in allem ein Pflichtbesuch – ich selber habe ja fast alles eh zu Hause, weswegen wir vor allem zum Quatschen und Coffje gekommen sind.

Bild: Arcade Automaten im Bonami Museum

Bild: John vom Bonami Museum

Zum Schluss der Woche – das eigentliche Event auf das wir uns die ganze Woche schon gefreut haben: Die Retrogame Experience in Hilversum – zusammen mit der diesjährigen Eurocade – einem jährlich stattfindenen Sammler Treffen von Videospielautomaten.
Was als kleines Event vor 3 Jahren begann – fand in diesem Jahr eine etwas größere Aufmerksamkeit. Das Team von der Eurocade hatte die Idee, das Event etwas größer zu veranstalten – und fand im Beeld en Geluid ein “Museum”, welches sich gerne bereit erklärte, das Event zu hosten.

Normalerweise ist die Eurocade ein Event, wo jeder Sammler einen Arcade Automaten mitbringt, so dass am Wochenende gut 50 Geräte zusammenkommen. Dieses Jahr, wurde das ganze etwas größer, indem unsere Freunde von Nozomi (s.o.) gleich mehrere Automaten und Großgeräte dabei hatten – als auch weitere RetroGamer-Freunde eingeladen wurden. So gab es zusätzlich ein Setup an Retro-Konsolen. Alles in allem ein Riesen Erfolg und eine großartige Veranstaltung, die ich als Eurocade Mitglied auch hinter den Kulissen mitverfolgen durfte. Insbesondere der Veranstaltungsort (das Medienarchiv des niederländischen Fernsehens), trug zum Erfolg bei. So durfte die Veranstaltung 3000 Besucher an dem Wochenende verzeichnen – wo normalerweise nur wenige hundert ihren Weg nach Hilversum finden. Eine (Kultur)Veranstaltung sicherlich auch für deutsche Museen – leider muß ich als Retro-Spektive Veranstalter sagen, dass sich hierzulande alle Museen doch sehr schwer mit diesem Thema tun. Aber ich bleibe dran.
Schaut euch die Bilder an, und die zahlreichen Videos auf YouTube.

Fazit: Die Niederlande haben für Retro-Spieler einiges zu bieten und wer das Land mag, die Sprache einigermaßen versteht,sowie gerne frittiertes verköstigt (Frikandeln oder Bitterballen), der sollte sich auf den Weg machen. Es gibt noch weitere Stationen, doch das wird ein anderes Mal erzählt.

P.S.: Für mich ein persönliches Highlight – Ein Teffen mit Jochen Hippel, der mittlerweile auch dem Arcade Hobby verfallen ist.


Bilder: Retro Konsolen Setup – mit Donkey Kong Contest und rechts die japanischen Candy Cabs.



Bild: Arcade Halle im ersten Stock. Rd. 30 Arcade Automaten darunter z.B. ein Afterburner Deluxe moving Cabinet

Bild: Jochen Hippel am Donkey Kong


Bild: Eines der Kinos. Für Eurocade Mitglieder gabe es verschiedener Sondervorstellungen, z.B. The Video Craze.